Stress macht krank







von: hemueveg

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Jeder von uns kennt Stress, der eine mehr, der andere weniger.

Das liegt zum einen daran, dass die Menschen unterschiedlichen Stress-Situationen ausgesetzt sind, das ist ungerechterweise so, und zum anderen daran, dass sie Stress unterschiedlich empfinden, je nach Beschaffenheit ihrer Psyche.

Stress ist also eine individuelle Reaktion, niemals nur eine Einbildung, sondern eine wirkliche Reaktion unseres Körpers auf bestimmte Situationen.

Was für Situationen sind das, die in uns Stress auslösen?

Viele Menschen verbinden das Wort „Stress“ mit „keine Zeit“ und „viel Arbeit“ haben.
Sicher, das mag wohl auch stimmen.
Doch man muss „viel Arbeit“ von Überforderung trennen. Wenn die Restaurantbesitzerin ein „volles Haus“ hat und hin und her pendelt zwischen Gästen und Küche, in der ihre Angestellten fleißig tätig sind, dann empfindet sie positiven Stress. Denn sie weiß, dass ihr Geschäft gut läuft, und das freut sie. Sie fühlt sich bestätigt und erfolgreich.

Die gleiche Restaurantbesitzerin, die ein dauerhaft „leeres Haus“ hat, wird dagegen negativen Stress leiden, denn sie weiß nicht, wie sie die monatlich auf sie einstürzenden Kosten einschließlich der Löhne ihrer Angestellten begleichen soll. Sie ist verzweifelt, sie hat Existenzangst und kann sich in ihrem Leben überhaupt nicht mehr richtig entspannen, was so wichtig für die Gesundheit ist. Diese Art Stress macht krank.

Aber auch wenn wir ganz ruhig auf unserem Stuhl sitzen, können wir Stress leiden. Da ist zum Beispiel das Mädchen, das mit seiner Familie und der Oma, die zu Besuch ist, am Tisch sitzt und isst. Die Oma, die beim Essen Geräusche von sich gibt, die sie selber gar nicht mitbekommt, und der strenge Vater des Mädchens, der angeekelt und grimmig dreinschaut und kurz vor dem Explodieren ist – sie beide belasten das Mädchen enorm. Sie leidet so schlimmen Angststress vor dem drohenden Ausbruch ihres Vaters und weiteren Geräuschen von Seiten der Oma, dass sie gar nicht mitbekommt, was sie eigentlich isst, sondern sich nur eines wünscht, nämlich dass das Essen bald vorbei ist und sie aufstehen darf.
Oder da ist der Schüler, der von Natur aus sehr schüchtern und empfindsam ist. Er sitzt im Unterricht und leidet Stress, Erwartungsstress, denn er hat Angst davor, von der Lehrerin „dran genommen“ zu werden und vor allen Schülern sprechen zu müssen und eventuell von ihnen ausgelacht zu werden. Er leidet täglich Stress, jahrelang. Er ist untergewichtig und hat bereits mit siebzehn Jahren etliche graue Haare. Seine ihn liebenden Eltern können ihm kaum helfen, sie können nur dafür sorgen, dass er sich zu Hause wirklich entspannen kann. Hätte dieser Jugendliche allerdings zu Hause auch noch Stress mit strengen, fordernden Eltern, so würde seine Lebenssituation wahrscheinlich eskalieren. Die fatalen Folgen kann sich jeder ausmalen.

Es gibt so viele Situationen, die Stress auslösen. Ein schwer krankes Familienmitglied, extreme Geldsorgen, Mobbing auf der Arbeit, Gewalt in der Familie sind weitere Beispiele.

Ein trinkender Mann, der seit Jahren ständig in die Kneipe geht und auch zu Hause trinkt, beschert seiner Familie Extremstress. Er lässt seine Familie im Stich. Ihr Leid interessiert ihn nicht. Ganz im Gegenteil, denn sturzbetrunken wird der Mann sogar aggressiv. Wie die Familie mit diesem Dauerstress leben kann, ist kaum vorstellbar. Fakt ist, dass schreckliche Familiendramen oftmals die Folge von derartigem, nicht mehr zu verkraftenden Stress sind.

Stress auf der Arbeit ist ein weit verbreitetes Problem. Firmen sparen an Arbeitskräften. Die Angestellten müssen die Arbeit für zwei erledigen und sind überfordert.
Da ist die Backwarenverkäuferin in einem Supermarkt, die, ganz allein auf sich gestellt, etliche Aufgaben zugleich zu erledigen hat und verzweifelt versucht, alles zu schaffen.
(Siehe mein Artikel: „Die kleine Backwarenverkäuferin“)
Klar ist, dass die Frau ein Zuhause braucht, das ihr unbedingt Ruhe und Erholung bietet. Stress im privaten Bereich wäre Gift für sie. Ihre Gesundheit ist klar und deutlich gefährdet.

Was passiert mit unserem Körper bei Stress?

Stress wurde von Natur aus eigentlich für eine besondere Situation geplant, in der der Mensch kurzfristig körperliche Höchstleistungen erbringen muss, wie das zum Beispiel bei der Begegnung des Urmenschen mit einem großen Tier der Fall war. Schnelle körperliche Reaktionen – Kampf oder Weglaufen – waren hier lebensnotwendig.

Was aber soll der Stress in unserem zivilisierten Leben?
Wir müssen doch gar nicht mehr körperlich kämpfen oder fliehen.

Trotzdem erleben viele Menschen Stress. Nun ja, hin und wieder auftretend, tut er unserem Körper keinen Schaden an. Doch viele Menschen leiden unter Dauerstress, der richtig schädlich ist. Unser Körper ist nämlich nicht für Dauerstress eingerichtet.
Es kommt zu einer rapiden Steigerung der Aktivität des vegetativen (unwillkürlichen) Nervensystems. Adrenalin schwimmt in Unmengen durch unseren Körper. Das Herz schlägt schneller. Glukortikoide werden freigesetzt, die unser Immunsystem lahm legen (man bedenke nur die möglichen Folgen einer dauerhaft herabgesetzten Immunabwehr!). Der Fett- und Zuckerspiegel im Blut erhöht sich, um den Muskeln Energie zur Verfügung zu stellen (was dem Urmenschen beim Kampf natürlich sehr dienlich war). Der Blutdruck steigt. Der Körper mobilisiert alle Energiereserven.
Doch wofür? Für eine körperliche Höchstleistung, die gar nicht erbracht wird.

Wir sind innerlich aufgepeitscht, sind in Alarmstimmung, stecken voller Adrenalin.
Wir haben erhöhte Fett- und Zuckerwerte im Blut, die keine Verwendung finden, sondern nur herumschwimmen und Schaden anrichten. Der hohe Blutdruck tut sein Übriges.
Wie soll unser Körper diese aufgestellte Armee jeden Tag abbauen?
Das ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Uns allen muss klar werden: Wer täglich Stress erleidet, muss damit rechnen, ernsthaft krank zu werden. Denn irgendwann tritt eine Erschöpfungsphase ein, in der es nicht mehr weitergeht. Dann kommen die Krankheiten: Asthma, Allergien, psychische Störungen, Verdauungsstörungen, Ekzeme, Haarausfall, Nervosität und Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, Bluthochdruck, Schlaganfall, Herzinfarkt und mehr.

Was kann man tun?

Ich denke, man muss als erstes lernen, sich selbst und seine Gesundheit wichtig zu nehmen. Dann muss man abwägen: Ist es das wirklich wert, dass ich hier das letzte gebe und mich verausgabe?
Sicher, ein Fluglotse weiß, dass seine Tätigkeit und sein Stress von Wert sind, schließlich geht es hier um Menschenleben. (Nicht umsonst werden Fluglotsen überdurchschnittlich gut bezahlt und gehen früher in Rente als andere Menschen.)
Doch die kleine Backwarenverkäuferin sollte umdenken. Keinem Kunden schadet es, eine oder zwei Minuten zu warten. Und wenn einmal eine Brötchensorte ausgeht oder der Kaffee alle ist – dann ist es eben so. Pech, aber nicht weiter schlimm.
Man muss versuchen, innerlich ruhig zu werden. Kleine leise Selbstgespräche helfen dabei und wirken stärkend.
Man muss sich bei niemandem entschuldigen, bloß weil man etwas nicht geschafft hat. Niemand dankt es einem, wenn man sich verausgabt. Niemand vermisst einen, wenn man krank ist oder gar schlimmeres.
Vorwürfen des Chefs, warum man dies oder das nicht getan hat, sollte man ruhig und höflich begegnen, indem man seine Gründe dafür nennt. (Nur schulmeistern sollte man den Chef nicht. Er soll allein darauf kommen, dass er vielleicht etwas ändern müsste.)
Ein fester, geregelter Plan, ein Schema, nach dem man sich richtet, kann auch helfen, Stress in Grenzen zu halten.
Aufgaben zu Hause sollten auf alle Familienmitglieder verteilt werden. Probleme dürfen nicht beim Essen besprochen werden, sondern später. Das Essen soll schmecken und in entspannter Atmosphäre stattfinden.
Wenn man sich bestimmten Fähigkeiten, die von einem erwartet werden, nicht gewachsen fühlt, sollte man versuchen, sich mehr Wissen darüber anzueignen und dazu zu lernen. Das gilt auch für den ängstlichen Schüler. Wissen macht sicherer und ruhiger.
Entspannungstechniken nach Feierabend wie Yoga oder Sport bieten gute Möglichkeiten des Stressabbaus. Gespräche, soziale Kontakte tun auch gut und sind wichtig. Wer sich einigelt, leidet mehr als andere.

Wenn sich natürlich Krankheiten melden, dann ist ein Arztbesuch unerlässlich. Auch und gerade hier sollte man sich sagen: Meine Gesundheit ist mir wichtiger. Der Arzt wird eine oder mehrere Therapien einleiten und vielleicht sogar eine Erholungskur vorschlagen.

Es muss Möglichkeiten geben, dem Stress beizukommen. Ich denke, sich Gedanken darüber zu machen und nach ganz persönlichen Wegen für sich selbst zu suchen, ist der erste Schritt.

(Wenn Sie mögen, lesen Sie dazu meinen Artikel „Die kleine Backwarenverkäuferin„)

Undine März







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