Die Abmahnwelle grassiert – eine neue deutsche Krankheit?





von: Alexander

Anzeige

Wenn es um das richtige Verhalten im Internet geht, können die meisten nur Halbwissen vorweisen. Kaum jemand ist sich vollständig über die aktuelle Rechtslage im Klaren. Zugegeben, das ist auch schwierig, bei all den Regelungen und Gesetzen, die es mittlerweile gibt. Und es kommen regelmäßig  neue hinzu. Allerhöchstens Rechtsanwälte können da noch den Überblick behalten. Nicht wenige davon machen sich diesen Vorteil gegenüber dem Normalverbraucher auf eine nicht sehr faire Art und Weise zu Nutze.

Denn dort, wo das Wissen der Internetnutzer aufhört, fängt der Spielraum der Anwälte an, wenn es darum geht, aus dem Unwissen der anderen Profit zu schlagen. Das einfachste Mittel hierfür ist und war schon immer die Abmahnung, denn diese ist schnell verschickt und bringt dem Anwalt einiges an Geld ein. Versehen mit einem offiziellen Stempel und Paragrafensprache, die viele Leute noch nicht einmal richtig verstehen, wirken sie auf die meisten Betroffenen so einschüchternd, dass diese widerstandslos zahlen. Sei es aus Angst vor noch mehr Ärger, oder um so schnell wie möglich wieder ihre Ruhe zu haben. Dass diese Mahnschreiben selbst nicht immer ganz rechtens sind, weiß natürlich niemand und würde auch niemand vermuten, denn ein „Rechtsvertreter“ scheint naturgemäß das Recht auf seiner Seite zu haben. Allerdings kommt es schon einmal vor, dass beispielsweise eine Markenrecht Abmahnung verschickt wird, ohne dass es einen Mandanten gibt, den der Anwalt vertritt.

Manchmal suchen Anwälte tatsächlich einfach nur nach Fehlern von Internetnutzern und mahnen diese daraufhin ab, ohne dass ihnen jemand den Auftrag dazu erteilt hätte. Da dies für die Rechtsanwälte ein so lukratives Geschäft darstellt, spricht man in Deutschland mittlerweile sogar von einer regelrechten Abmahnwelle. Da die Abmahnungen wirklich zu Tausenden verschickt werden, muss man sich fragen, ob dies tatsächlich noch etwas mit dem Wahren der Gesetze zu tun hat. Würde man den Menschen beispielsweise von vornherein mehr und leichter verständliche Informationen zur Verfügung stellen und damit für Klarheit über die Rechtslage sorgen, wäre es gar nicht mehr nötig, so viele Mahnschreiben zu verschicken. Aber solange eine Kanzlei – meistens ungestraft – mit dieser Praxis fortfahren kann, ist es nicht verwunderlich, dass immer mehr Menschen das Vertrauen in Anwälte und den Rechtsstaat verlieren.

Tags: , ,







Category: Allgemein | RSS 2.0 Responses are currently closed, but you can trackback from your own site.