Preußische Ordnung und Sauberkeit





von: hemueveg

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Da sind wir wieder, bei unserem Soldatenkönig (1688 – 1740). Der Soldatenkönig – das war die Verkörperung einer Kampfansage gegen Luxus und Verschwendung. Wie man weiß, warf er den auf großem Fuß lebenden Feudalstaat seines verstorbenden Vaters samt und sonders über den Haufen. Er lehnte Prunk und Pracht aus tiefstem Herzen ab.

Man sah ihn stets in einfacher, aber sauberer Kleidung, die entweder aus einem grünen Jägeranzug oder aus einer Uniform seines Leibgrenadierregiments aus blauem Tuch mit roten Aufschlägen und blanken Messingknöpfen bestand.
In einer Zeit, wo sich die europäischen Höfe ganz nach dem Versailler Vorbild in Samt, Seide und Spitzen mit diversen üppigen Verzierungen kleidete, war dieses spartanische Erscheinungsbild des Königs einfach schockierend. Man bezeichnete ihn hinter vorgehaltener Hand als bäuerisch und amüsierte sich köstlich über ihn. Ja mehr noch: Die peinliche Sauberkeit, die er von sich und anderen verlangte, war einfach revolutionierend.
Es ist ja bekannt, dass es im 18. Jahrhundert keine Hygiene gab. Niemand wusch sich. Körpergestank wurde mit Puder und Parfüm überdeckt. Und nun kam Friedrich Wilhelm I., der Preußenkönig, dem jedes Stäubchen, jeder Schmutzfleck verhasst war.
Er wusch sich täglich, seine Hände sogar mehrmals täglich. Im Schloss ließ er die Polster der Sitzmöbel entfernen, weil sich einfache Holzsitzflächen gründlicher schrubben ließen. Er verteilte holländische Aufsichtsbeamte in den Schlössern Berlins und Potsdams, die den Einheimischen die Sauberkeit ihrer Heimat vorlebten und aufdiktierten.
Friedrich Wilhelm I. selbst legte stets Ärmelschoner an und band sich eine Schürze vor, bevor er sich an seinen Schreibtisch setzte, damit er seine Uniform vor Tinte schützte.
Alles staunte und schüttelte den Kopf über diesen König. Schließlich war sein Sauberkeitsfimmel eine Kampfansage gegen den verschwenderischen Luxus der damaligen feinen Gesellschaft.
Die preußischen Untertanen lebten ganz nach dem königlichen Vorbild. Es gab bald keinen Beamten oder Offizier mehr, der sich ohne Ärmelschoner an den Schreibtisch setzte. Es herrschte Akkuratesse im ganzen Preußenstaat. Denn peinliche Sauberkeit paarte sich bei diesem König mit strengster Ordnungsliebe und Pünktlichkeit, die er von sich und selbstverständlich auch von allen anderen verlangte.
Wer schluderte, der bekam den allzu bekannten Buchenstock zu spüren …
Die legendäre preußische Genauigkeit, jedem bekannt bis in die heutige Zeit hinein, sie hat auf jeden Fall ihren Ursprung in der Regierungszeit Friedrich Wilhelms I., unseres Soldatenkönigs.

Friederike Müller







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