Hündin Ronja wird angegriffen





von: hemueveg

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Ronja und ich gingen jeden Morgen in den Wald. Ronja liebte den Wald. Sie rannte fröhlich hin und her und genoss die Freiheit und die Bewegung, die ich ihr ließ. Ich weiß, dass sie eigentlich an die Leine gehört hätte, doch an diesen Zwang hielt sich kein Hundebesitzer bei uns. Ronja und ich kannten so viele Hunde und ihre Besitzer – und diese uns. Alle wussten, wie freundlich und friedliebend Ronja war. So groß und kräftig sie war, so sanftmütig war sie auch, mein Liebling.

Es gab allerdings eine kleine Mischlingshündin, die meine Ronja hasste und sich am liebsten immer auf sie gestürzt hätte, wenn sie nicht an der Leine gewesen wäre. Wohlgemerkt, die kleine Hündin hasste die große. Sie gehörte einer älteren Frau.
Meine Ronja ignorierte das tobende Tierchen stets völlig. Selbstverständlich nahm ich sie, wenn wir vier uns begegneten, ebenfalls an die Leine.
Eines Tages gingen Ronja und ich um den menschenleeren Sportplatz herum, als ich in etwa hundert Meter Entfernung die besagte kleine aggressive Hündin sah. Mit Schrecken erkannte ich, dass sie sich von ihrer Leine losgerissen hatte und wütend über den Platz auf uns zugerannt kam.
„Komm, Ronja, wir gehen.“ sagte ich schnell und besorgt, und wir beide machten kehrt und traten eiligst den Rückzug an.
Doch die kleine Hündin hatte uns schnell erreicht. Sie bellte und griff Ronja an, allerdings von hinten und das mehrmals. Sie schnappte nach Ronjas Hinterbeinen. Meine Ronja fuhr herum und behielt den kleinen Aggressor im Auge, der immer wieder neue Angriffsversuche startete. Ich hatte wirklich große Angst um die kleine Hündin. Was, wenn Ronja sich wehrte und sie mit einem Biss schwer verletzte? Ich mischte mich ein und herrschte die Angreiferin an: „Gehst du weg! Verschwinde!“ Schließlich wollte ich nur ihr Bestes. Doch sie hörte nicht auf, meine Ronja zu piesacken.
Ronja verhielt sich glänzend. Sie tat nichts, bellte nicht einmal, sie sorgte nur dafür, dass sie die kleine Hündin stets von vorn im Auge behielt, wenn diese sich von hinten auf sie stürzen wollte.
Inzwischen war die arme Besitzerin auch herbei geeilt, voller Angst um ihre geliebte Ausreißerin. Sie nahm sie wieder an die Leine und atmete auf, murmelte irgendetwas Hektisches vor sich hin. Dann gingen die beiden endlich von uns fort.
Ich nahm meinen Liebling in die Arme und lobte und streichelte sie, so intensiv ich nur konnte. Sie hatte es wirklich doppelt und dreifach verdient. Meine Ronja hatte ihre Nerven behalten und sich dermaßen edel verhalten, wie ich es selbst kaum für möglich gehalten hätte.

Undine März







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