Der Soldatenkönig





von: hemueveg

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Wer kennt ihn nicht, unseren Soldatenkönig: Friedrich Wilhelm I. (1688 – 1740)?
Dieser Mann war wirklich ein Sonderexemplar, ein Berserker von Mann, ein Ausbund an Jähzorn und Leidenschaft. So friedliebend er in der Außenpolitik auch war, so machtvoll sorgte er für Ordnung und Gehorsam im eigenen Preußenlande.

„Ein unglaublicher Mann, dieser Friedrich Wilhelm! Ein Berserker, ein glühender Vulkan von Heftigkeit, Jähzorn und Leidenschaft. Und das Schlimmste: ein Mensch ohne alle Selbstdisziplin.
Schon als Junge hatte er den Kinderfrauen erfolgreich getrotzt und seine adligen Spielgefährten der Reihe nach verhauen. Die zärtliche Mutter Sophie Charlotte hatte ihm fast alles zu Willen getan.
Jetzt als König, ist er der Meinung, dass jedermann in Preußen sich bedingungslos seinem Willen zu unterwerfen hat. Er prügelt nicht gelegentlich, sondern häufig, und das mit Lust und Leidenschaft, mit aller Kraft, bis ihm der Atem ausgeht. Niemand ist vor seinen Hieben sicher, mit alleiniger Ausnahme seiner Frau und des Offizierskorps. (Er hatte auch einmal gegen einen Major vor der Front des Regiments den Stock erhoben. Doch der hatte sofort seine Pistole gezogen, zuerst dem König vor die Füße und dann sich selbst in den Kopf geschlossen.)
Auch hochgestellte Staatsbeamte bekommen seinen Stock und seinen Zorn zu spüren. Die ehrenwerten Mitglieder des hochwohllöblichen Kriminalkollegiums, die ein Strafurteil gefällt haben, das ihm nicht zusagt, werden allesamt durchgeprügelt und der rasende König verfolgt sie höchstpersönlich mit geschwungenem Stock bis an den Fuß der Schlosstreppe.
Wenn er mehrere Tage lang Gicht hat und sich nicht bewegen kann, legt er sich mit Salz geladene Pistolen neben den Krankenstuhl, um damit auf Bedienstete zu feuern, die seine Wut herausgefordert haben.
An den Höfen Europas sind die sonderbaren Launen und merkwürdigen Lebensgewohnheiten, ist die Prügelsucht des Preußenkönigs Tagesgespräch. Man lacht und tratscht, man mokiert und echauffiert sich über den Berliner Wüterich.“

Natürlich klatschte man schon damals gern und vergaß wohlweislich, dass es im 18. Jahrhundert überall in Europa Sitte war, dass Höhergestellte die Untergebenen schlugen.
Doch was den Preußenkönig so besonders und skandalös machte, war ja etwas ganz anderes:
Friedrich Wilhelm I. nahm nämlich auf Hoch und Niedrig keinerlei Rücksicht. Er prügelte jeden, der nicht nach seinem Willen wollte, egal ob arm oder reich, ob Frau oder Mann. Sein Buchenstock kannte keine Klassenunterschiede. Schon gar nicht machte er Halt vor privilegierten Personen. Das war der internationale Skandal!
Und alles spottete und schüttelte den weißgelockten Kopf.

„Aber wenn draußen auf dem Pflaster sein Krückstock pocht, wenn seine knurrende Stimme durch Fenster und Türen dringt, beginnt das große Zittern in Berlin oder Potsdam. Und dieses Zittern, diese knechtische Furcht vor dem gnadenlosen königlichen Terror macht auch nicht halt vor den Schlössern, vor der eigenen Familie des Monarchen. Ob Prinz oder Bauer, ob Sohn oder Tochter – dieser König und Vater verlangt von allen das gleiche: Fleiß, Sauberkeit, Einfachheit, Pünktlichkeit, Sparsamkeit, Genauigkeit, peinlichste Ordnung und vor allem Gehorsam und immer wieder Gehorsam; bis zum Exzess, bis zur sklavischen Unterwerfung.“
Auch und gerade die Beamten hatten unter dem Soldatenkönig zu leiden. Nicht nur, dass ihre Anzahl drastisch verringert wurde, als sie es vorher unter der Herrschaft Friedrichs I. war. Nein, auch kleinste Fehler durften sich die „Blackscheißer“ und „Tintenkleckser“ nicht leisten.
Ich wage es kaum, einen Vergleich mit den heutigen Staatsbeamten zu ziehen. Wenn die genug Missetaten vollbracht haben, treten sie lediglich zurück und lachen sich eins …
Der König würde sich im Grabe umdrehen.

Quelle: „Fridericus Rex“ von Wolfgang Venohr

Friederike Müller







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